Der Winter hatte seine Spuren hinterlassen. Nach einem langen Skitag in gleißender Sonne saß ich abends endlich wieder zu Hause. Meine Füße durchzog noch immer ein leichtes Gefühl von Kälte und auf meinen Lippen spürte ich das bekannte trockene Ziehen.
Um nichts in der Welt mochten meine Familie und ich unsere geliebten Skitage missen, aber meinem Körper setzte die kalte Winterluft doch regelmäßig zu.
Nachdem ich aber erst vor Kurzem mein erstes eigenes Gesichtsöl (das night face oil) entwickelt hatte, um meine jahrelangen Hautprobleme endlich selbst anzugehen, betrachtete ich die Folgen des Skitages als eine Art „Forschungsauftrag“. Ich wollte herausfinden, was pflanzliche Öle auf meiner Haut bewirken können.
Die Antworten darauf fand ich in meinem ganz persönlichen „Labor“, das ich mir in meiner Küche spontan eingerichtet hatte. Ich begann zu experimentieren und machte es mir zur Aufgabe, systematisch Konsistenzen zu prüfen und Öle zu kombinieren. In einem nächsten Schritt beobachtete ich dann, wie schnell eine Creme einzieht, wie sie auf der Haut wirkt und wie lange ihre Wirkung anhält. All diese Dinge hielt ich akribisch in einem Notizbüchlein fest. Erst wenn die Ergebnisse hieb und stichfest waren, durfte ein Rezept bleiben.
So entstanden in rascher Abfolge zwei neue Produkte: ein Lippenbalsam für raue Wintertage und ein Spezialbalsam für strapazierte Fersen.
Das Leben ist ein Wunschkonzert
Was ich zu diesem Zeitpunkt noch nicht ahnen konnte: Meine Lösungen begannen schon bald andere zu interessieren. Zunächst war es meine Familie, die wiederholt um „diese eine Creme“ bat. Dann fragten meine Freundinnen nach. Und plötzlich kamen meine Nachbarn und Bekannte aus dem erweiterten Umfeld dazu.
Bald bekam ich von allen Seiten Wünsche und Anregungen:
„Moni, könntest du nicht ein Körperöl für Sportler machen?“
„Meine Tochter ist gerade schwanger. Ein Babybauchöl wäre wunderbar.“
„Ich liebe dein Gesichtsöl, aber manchmal mag ich auch das Gefühl von Creme auf der Haut.“
„Unsere Teenager haben Pickel und nichts scheint dagegen zu helfen. Hast du da zufällig was?“
Es war, als würde jemand ständig neue Titel in eine Jukebox werfen. Und ich spielte sie – nicht mit Melodien, sondern mit Rezepturen. Jeder geäußerte Wunsch wurde zum Ausgangspunkt für ein neues Experiment.
Ein Sortiment entsteht
Im Rausch meiner Leidenschaft wuchs die Zahl meiner Produkte beinahe unbemerkt. Zum Lippenbalsam und zur Fersenpflege gesellten sich neue Artikel: ein Körperöl hier, eine Lotion dort, später ein Reinigungsgel und ein Tonic Wasser. Jedes Produkt entsprang einem konkreten Anlass und reagierte auf ein spezifisches Bedürfnis in meinem Umfeld.
Gleichzeitig machte mich jedes Produkt, das ein bestimmtes Problem löste, auf ein weiteres aufmerksam. Wenn etwa die Lippenpflege funktionierte, stellte sich die Frage nach einer guten Gesichtspflege. Wenn die Haut am Körper gut versorgt war, entstand der Wunsch nach einer sanften Reinigung. Meiner Kreativität schienen keine Grenzen gesetzt.
Eines Tages stand ich dann in meiner Küche und betrachtete die Fläschchen und Tiegel vor mir auf der Anrichte. Stück für Stück zählte ich sie durch. Es waren insgesamt zwanzig fertige Produkte! Zwanzig Produkte, die alle aus einem konkreten Anlass entstanden waren. Zwanzig Antworten auf Fragen. Zwanzig kleine Lösungen für ganz unterschiedliche Hautbedürfnisse.
Überwältigt schnappte ich nach Luft. Vor mir stand eine ganze Pflegelinie!
Wenn der Zufall zur Gründerstory wird
Rückblickend wirkt mein Weg fast logisch. In Wahrheit war er es nicht.
Er bestand aus vielen kleinen Zufällen: trockenen Lippen nach einem Skitag, einer Freundin mit einer Frage, einem Nachbarn mit einer Idee.
Aber ich hatte begonnen, systematisch Probleme zu lösen. Die Leute wünschten, ich spielte. Aus diesem Spiel aus Bedarf und Neugier entstand schließlich etwas Größeres: bluvion, meine eigene Manufaktur mit einem breiten Sortiment.
Am Ende ist es doch so: Die besten Geschichten entstehen immer dort, wo man sie am wenigsten vermutet. In meinem Fall war es eben mitten im Alltag.
Es grüßt Euch
Eure Monika

