Heute möchte ich euch die sechste Geschichte im Rahmen unseres Jubiläumsjahres „10 Jahre, 10 Geschichten“ erzählen. Trotz der aktuellen Ferien drücken wir die Schulbank…
Die Prüfung beginnt
Wir schreiben den 24. Juni 2016. Ich sitze am WIFI in Salzburg vor meinen Prüfungsunterlagen des Lehrgangs zur Kosmetikherstellung. Plötzlich schießt mir ein Gedanke durch den Kopf: Wie lange ist es eigentlich her, dass ich meine letzte Prüfung geschrieben habe? – Sehr lange.
Früher, während meiner Schul- und Studienzeit, fiel mir das Lernen leicht, aber es hat nicht immer Spaß gemacht. In den letzten Wochen vor meiner Kosmetik-Prüfung verhielt es sich genau umgekehrt: Nicht alles blieb gleich hängen, aber dafür war ich umso wissbegieriger. Unser zweitältester Sohn steckte damals mitten in seiner Maturavorbereitung. Dementsprechend verwandelte sich unser Wohnzimmer für einige Wochen in ein kleines Klassenzimmer. Tagsüber saßen wir oft gemeinsam am Tisch. Er nahm sich sogar extra Zeit, um mich geduldig abzufragen. Irgendwann blickte er von den Unterlagen auf und meinte nur trocken: „Mama, das sieht düster aus!“ Ich musste lachen und begann nochmal von vorne.
Unterricht bei den Besten
Noch bevor ich meine Ausbildung zur Kosmetikherstellerin begonnen habe, glaubte ich, bereits einiges über Hautpflege zu wissen. Schon damals belehrte mich Karin Pürmair von ukrut eines Besseren. Sie brachte mir die Grundlagen jener Art von Naturkosmetik näher, die Pflanzenöle, Pflanzenbutter, Pflanzenwasser und ätherische Öle als Herzstück wirksamer Pflege umfasste. Je tiefer ich in diese Welt eintauchte, desto häufiger beschäftigte mich die Frage: Warum arbeitet ein Großteil der herkömmlichen Kosmetik – ob günstig oder luxuriös – mit Inhaltsstoffen, die vor allem dem Hersteller Vorteile bringen, die Haut aber nicht optimal versorgen? Ich wusste damals schon, dass ich das anders machen wollte.
Auch Theorie kann spannend sein
Der Lehrgang am WIFI selbst brachte mir den Befähigungsnachweis, um Kosmetik herstellen zu dürfen. Heute handelt es sich bei der Kosmetikherstellung um ein freies Gewerbe, ich möchte diese Ausbildung aber um nichts in der Welt missen. Dabei ging es nämlich um allerlei spannende und nützliche Details von Rezepturen und Produktsicherheit bis hin zu Kosmetik- und Wettbewerbsrecht. Noch heute klingt mir die Aufforderung von Mag. Claudia Hoidn-Schestak in den Ohren: „Hygiene, Hygiene!“
Mir wurde jedenfalls schnell klar, wie streng die gesetzlichen Anforderungen an Kosmetik sind. Gleichzeitig erkannte ich, dass ich vieles von dem, was erlaubt ist, vor allem der günstigen Herstellung und der Haltbarkeit von Produkten dient: Sulfate. Mineralöle. Silikone. Konservierungsmittel. Sie alle dürfen verwendet werden, haben auf meiner Haut aber schlichtweg nichts verloren.
Das Klassenzimmer roch nach Rosen
Am lebhaftesten in Erinnerungen blieben mir bei aller hilfreichen Theorie die praktischen Einheiten meiner Ausbildung. Mit der sagenhaften Gabriela Nedoma, einem innovativen Profi auf den Gebieten der Pflanzenheilkunde und TEM (Traditionelle Europäischer Medizin) wurde unser Seminarraum des Öfteren kurzerhand vom Labor zur Küche umfunktioniert. Frische Pflanzen wanderten in den Mixer, und für ein Shampoo wurden sogar Orangen verarbeitet.
Ganz anders – aber nicht minder beeindruckend – wirkte Ingrid Kleindienst-John, eine Koryphäe auf dem Gebiet der Aromatherapie. Sie betrat den Raum stets mit einem wunderschönen Holzkoffer. Wenn sie ihn öffnete, wurde uns beinahe feierlich zumute. Vor uns stand ein prachtvoller Setzkasten voller kleiner Fläschchen mit ätherischen Ölen, die uns zum Riechen und Vergleichen einluden. Von Ingrid lernten wir, wie viel Wissen notwendig ist, um ätherische Öle sicher und sinnvoll einzusetzen. Ich bewundere Ingrid bis heute für ihre Präzision, mit der sie uns anschaulich lehrte, dass Begeisterung niemals ein Ersatz für Verantwortung sein darf.
Eine Lehre fürs Leben
Am Ende bestand ich alle Prüfungen mit sehr gutem Erfolg, noch wertvoller als jedes Zeugnis war für mich jedoch die Gruppenerfahrung. In unserem Lehrgang kamen Menschen mit völlig unterschiedlichen Lebensgeschichten zusammen, um ihre Begeisterung für Pflanzen und Haut zu teilen. Einige von ihnen gingen später ihren eigenen Weg. Aus Kolleginnen wurden Unternehmerinnen, aus Mitlernenden wurden Freundinnen. Gabi Sager-Gingel (Akademie für Naturkosmetik) und Doris Kern (Mit Liebe gemacht) sind nur zwei von unzähligen wunderbaren Freundschaften, die ich bis heute pflege.
Und ich? – Ich wiederhole seither gern den beliebten Vergleich: Naturkosmetikherstellung ist wie gutes Kochen. Man wählt die besten Zutaten aus. Man entwickelt ein Rezept. Man arbeitet sauber und sorgfältig. Man achtet auf Temperatur, Hygiene, Konsistenz, Duft und Haptik. Und am Ende serviert man nur das, was man seiner eigenen Familie mit gutem Gewissen auf den Tisch stellen würde.
Das ist die Essenz von bluvion.
Es grüßt euch herzlich,
Eure Monika

